Internet Slang erklärt: Was ist Chinas Wasser-Armee (网络水军)?

Ab 10 Cent können bereits positive Kommentare und Bewertungen gekauft werden

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Das Fake Reviews bei Shops wie GearBest keine Seltenheit sind und mittlerweile auch Amazon große Probleme mit den Review-Maschen aus Asien hat, ist mittlerweile kein Geheimnis mehr.

Doch in Chinas gigantischer Onlinewelt ist dies völlig normal. Für positive Bewertungen, gesteuerte Kommentare oder sogar Hetzkampagnen wird die Internet Wasser-Armee (网络水军, Wǎngluò shuǐ jūn) gerufen. Diese gießt Wasser auf gewünschte Themen und soll somit Wachstum erzeugen.

Ein offenes Geheimnis in China, welches von großen Firmen, Stars und Politikern gern und regelmäßig genutzt wird.

Wann wird die Armee gerufen?

chinas wasser armee

Das das Business mit Fake-Bewertungen und gekauften Stimmungsmachern allgegenwärtig ist, wird dadurch deutlich, dass teilweise über 2 Millionen Yuan pro Auftrag fällig werden. Unzählige PR-Agenturen widmen sich diesem Thema und betreuen zehntausende Accounts auf Social-Media Webseiten und in Foren, um Kunden ein „authentisches“ Ergebnis zu verkaufen.

Den Prozess unechte Fans oder Interaktionen wie Likes und Video-Views zu erwerben wird hier unter dem Begriff Traffic Kaufen (刷流量, Shuā liúliàng) zusammengefasst. Diese falschen Fans werden auch als Zombie Fans (僵死粉, Jiāngsǐ fěn) bezeichnet. Hier kann es sich um Bots oder verifizierte Nutzer-Accounts, die regelmäßig gepflegt werden, handeln.

Die Accounts werden in mehreren Kategorien eingestuft und ebenfalls habe ich die ungefähren Preise, laut einer Analyse von ChinaIRN, hinzugefügt:

  • 10.000 Fake-Accounts für 9€ (Ohne Avatar)
  • 10.000 Fake-Accounts für 15€ (Teilweise mit Avatar)
  • 10.000 „Echte & aktive“ Accounts für 21€
  • 10.000 Aktive Fans mit mehrstelliger Follower-Anzahl für 29€

Auch beim Thema Engagement kann zwischen Bots oder echten Followern ausgewählt werden. Ab bereits 0,25€ wird ein Beitrag von 100 Bots geteilt oder kommentiert. Wer „echte“ Fans haben möchte, der bekommt für 2€ rund 100 Reaktionen.

wechat water army spam click farm
WeChat Click- und Spam-Farm in Thailand.

Soweit nichts besonderes, oder? In China ist es allerdings noch extremer, denn es handelt sich nicht nur um ein offenes Geheimnis, sondern die Water Army wird ebenfalls genutzt, um die Reputation der Konkurrenz zu schädigen. Diese müssen wiederum selbst aktiv werden, um dem entgegenzuwirken – ein fortwährendes Problem.

Für Fake Reviews auf Taobao und JD.com werden z.B. leere Pakete versendet (teilweise mit Gewichten..) da die Plattform nun davon ausgeht, dass es sich um einen echten Kauf handelt. Das Geld wird anschließend erstattet und ein kleiner Betrag geht an den betrügenden Käufer.

Es geht sogar so weit, auch wenn nicht direkt als Tätigkeit der Wasser-Armee zu bezeichnen, dass Restaurants und Ladenlokale schlangestehende Statisten anheuern, um bei einer Neueröffnung populär zu wirken.

Das nichts im Internet wirklich real ist, wissen alle Chinesen allerdings und deshalb verlassen sich viele auf direkte Empfehlungen von Freunden oder Bekannten via WeChat. Auch Xiaohongshu (kleines rotes Buch) erfreut sich als ‚transparente‘ Review-Plattform großer Beliebtheit.

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2 Kommentare
  1. Wolfgang D. sagt

    Dass die in China sowas hinnehmen, finde ich echt hammermäßig. Im Grunde macht man damit die Idee der Bewertung durch Nutzer völlig kaputt. Ob jetzt die Empfehlung eines möglicherweise beeinflussten Familienmitglieds da einen Ausweg bietet? Eher nicht, denn es wird grundsätzlich alles Vertrauen zerstört. Sollte die chinesische Regierung das langfristig ignorieren, schaden sie sich selber.

    Mittlerweile scheinen diese besonderen „Influencer“ auch ihren Weg in den Westen gefunden zu haben. Es nerven nämlich seit geraumer Zeit unglaublich viele Fans von Chinageräten, in Foren und Kommentarspalten, herum. Nicht nur Chinesen mit ihrem Google Translator, aber etliche Inder, Malayen, oder wo sonst in Asien Deutsch gelehrt wird und der Student ein Zubrot sucht.

    1. Maxi sagt

      Jap, die Water-Army ist mittlerweile überall. Selbst große Affiliate Webseiten drücken mal ein Auge zu, um etwas mehr zu verdienen. Gleichzeitig sind chinesische Käufer oft auch deutlich skeptischer als „wir Deutschen“, da sie es eben kennen, dass viel Müll und Fakes verkauft werden.
      Ich finde allerdings, dass dies keine Sache der Regierung ist, sondern viel mehr die Plattformen für ein vernünftiges Klima und Vertrauen sorgen müssen. Leider herrscht in China ein kleines Oligopol im E-Commerce und so wird es deutlich schwieriger, dass diese Firmen in Software und R&D investieren, welche keinen unmittelbaren Ertrag erzielen.

      Übrigens, auch auf Amazon.com ist die durchschnittliche Bewertung bei 4.3 Sternen und somit mMn. nichts mehr Wert. Ein spannendes Thema, danke für den Denkanstoß und wird bald in einem eigenen Artikel behandelt!