Didi Chuxing: Zweiter Mordfall in einem Jahr bei Chinas Uber

Der chinesische Platzhirsch gerät nach zwei Morden in einem Jahr in Erklärungsnöte. Doch wie konnte es soweit kommen?

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Das Prinzip von Uber kennt in Deutschland eigentlich jeder, obwohl die App nur in wenigen Städten überhaupt funktioniert und oft gar nicht verfügbar ist. Didi Chuxing (Chinesisch: 滴滴出行) ist das chinesische Pendant zu Uber und hat 2016 auch deren chinesisches Geschäft übernommen.

Während die Kritik von seiten der Taxifahrer so alt wie das Geschäftsmodell ist, kommt es nun zu einer ganz neuen, deutlich heftigeren Diskussion um das Konzept. Dabei geht es nicht nur um Geld oder Arbeitsplätze sondern um Menschenleben. Was passiert ist, und wieso das Problem größer sein könnte als erwartet, lest Ihr hier.

Günstige Taxi-Alternative oder Lebensgefahr?

In Deutschland verhindern strenge Regulierungen das Durchstarten von Uber und co, in China hingegen kommt der Platzhirsch Didi auf 7,4 Milliarden Fahrten allein im letzten Jahr. Doch es ist nicht alles Gold was glänzt, denn es gibt auch eine Schattenseite des Erfolgs, die sich in den letzten Monaten immer mehr zeigt.

China Uber Expansion Wachstum
Extremes Wachstum der Nutzer, doch wurde die Sicherheit der Kunden zugunsten der Expansion vernachlässigt? (Quelle: Statista)

Während bei klassischen Taxi Fahrten in China nicht viel mehr passieren kann, als dass Kunden um Geld betrogen werden, kann bei Didi nahezu jeder Passagiere mitnehmen. Voraussetzung ist dafür ein Führerschein, Auto und eine Art Backgroundcheck des Fahrers durch Didi. Doch gerade der „Hitch“ Service, sozusagen eine Art BlaBlaCar oder Mitfahrgelegenheit in der App, führt das zu enormen Problemen. Denn nun kam bereits der zweite Mordfall innerhalb eines Jahres ans Licht. Doch was ist passiert?

Am 24. August hat in der Stadt Wenzhou ein 27 Jähriger eine 20 Jährige Frau mitgenommen, welche er vergewaltigt und dann umgebracht haben soll. Mittlerweile hat die Polizei die Leiche gefunden, wie auch den Verdächtigen, gegen den Sie nun ermittelt. Der Fahrer hatte keine Vorstrafen, einen Tag vorher gab es jedoch schon eine Beschwerde eines Kundens, dass der Fahrer nach der Fahrt dem Kunden gefolgt sein soll.

Bereits im Mai, also vor nur drei Monaten gab es einen weiteren Fall, in dem eine Flugbegleiterin von Ihrem Didi Fahrer umgebracht wurde. Als Reaktion auf den ersten Mord gab sich das Unternehmen sehr betroffen, sprach von enttäuschtem Vertrauen und wollte dieses wieder Gewinnen, in dem man neue Regeln für die „Hitch“ Fahrten aufstellte.

Das mörderische Comeback

China Mitfahren App
Wie Uber läuft bei Didi alles über die zugehörige App.

Nach 6 Wochen, in denen der Service nicht erreichbar war, kam er zurück, unter anderem mit der Einschränkung, dass die Fahrer und Anhalter morgens und Abends vom gleichen Geschlecht sein müssen, um Vergewaltigungen vorzubeugen. Auch wurden zwei Manager für das Sicherheitsproblem verantwortlich gemacht und dementsprechend gefeuert.

Wie die Zeit gezeigt hat, waren die Maßnahmen leider nicht erfolgreich, und es kam nach kurzer Zeit zum nächsten Mord. Wieder ist die Plattform nicht verfügbar und wieder wurde ein Statement gepostet (in einigen Teilen wurde das erste übernommen), ob der Service zurück kommt, und wenn ja mit welchen Änderungen, ist noch nicht bekannt.

Im Zuge des Falls wurde zudem bekannt, dass Didi Hinweisen von Ihren Kunden über auffälliges Verhalten von Fahrern nicht bzw. nicht schnell genug nachgekommen ist und auch die Kommunikation mit der Polizei alles andere als optimal verlaufen ist. Das Hauptgeschäft, die Vermittlung von bezahlten Fahrten, ist von dem aktuellen Fall jedoch nicht betroffen und vermittelt weiter um die 25 Millionen Fahrten täglich.

Durch diesen zweiten Fall in so kurzer Zeit, vermutlich aber vor allem durch die heftigen Reaktionen darauf in chinesischen Social Media Netzwerken, sind jetzt auch die chinesischen Behörden aktiv geworden. Didi wurde von der Verkehrsbehörde dazu aufgefordert bis zum 1. September einen Plan vorzulegen, wie man solche Fälle in Zukunft verhindern möchte.

Ein Problem ohne Lösung?

Eine Maßnahme dafür könnte, zum Beispiel, eine Regulierung sein, wie es Sie in den Städten Peking und Shanghai bereits gibt. Fahrer und Auto sollen aus der Region stammen, in der Sie fahren wollen. Würden diese jedoch durchgesetzt werden, hätte Didi ein enormes Problem, denn aktuell sind die meisten Fahrer Wanderarbeiter, die sich dadurch Ihren Lebensunterhalt verdienen. Lediglich 3 % der Fahrer in Shanghai würden die Anforderungen aktuell erfüllen weshalb die Fahrtenvermittlung schlicht nicht mehr so funktionieren könnte, wie Sie es heute tut.

Mord Uber Didi Chuxing
Schnell und günstig soll Didi sein, doch schon zwei Fahrten endeten tödlich.

Andererseits kann meiner Meinung nach damit auch nicht verhindert werden, dass es zu weiteren Vergewaltigungen und Morden kommt. Denn wieso sollte ein lokaler Fahrer keines der Verbrechen begehen (die übrigens im Reich der Mitte mit der Todesstrafe bestraft werden können), ein Wanderarbeiter hingegen schon?

Auch dass bei Didi bis jetzt nur Fälle beim „Hitch“ Service bekannt geworden sind, heißt nicht, dass nicht auch das klassische Geschäft betroffen sein kann. Das sieht man bei Uber, die mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben. So hat beispielsweise ein Uber Fahrer in den USA auch dieses Jahr seinen Mitfahrer erschossen, was nicht der erste Mordfall in der Geschichte des Unternehmens war.

Dass es unter 21 Millionen registrierten Fahrern einige schwarze Schafe gibt, ist kein Wunder, auch wird weder Didi noch Uber zur Gänze verhindern können, dass diese Verbrechen begehen. Jedoch kommt einem schnell der Verdacht, dass die beiden Giganten am Markt sich Ihrer großen Verantwortung für die Sicherheit der Kunden nicht bewusst sind. Hinweisen der Kunden wird nicht nachgegangen, man kooperiert nicht vollständig mit der Polizei zur Aufklärung der Fälle und es werden keine wirksamen Regeln gefunden, um Morde zu verhindern.

Stattdessen wird sich voll auf Wachstum, Expansion und neue Rekordzahlen fokussiert um die wichtigen Investoren für das Geschäftsmodell bei Laune zu halten. Das ist dringend nötig, denn Gewinne können die Firmen trotz der enormen Nutzerzahlen nicht ausweisen. Jedoch sollten die aktuellen Vorkommnisse ein Überdenken des Geschäftsmodells anstoßen, sowie eine mögliche Regulierung, um wirksam weiteren Morden und Vergewaltigungen vorzubeugen.

Seht Ihr das genauso? Was wären eure Vorschläge, um dem Problem zu begegnen? Lasst es mich in den Kommentaren wissen, ich bin gespannt auf eure Ideen!

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2 Kommentare
  1. ChinaHamster sagt

    Mein Vorschlag wäre, den Fahrern eine Ortungs-Box zu verkaufen, welche auch einen SOS-Knopf besitzt, für einen Polizeinotruf.
    Problem ausgelagert, Geschäftsmodell geschaffen und gefühlte Sicherheit erhöht.

    1. Maxi sagt

      Auch viele „Netizen“ auf Weibo haben einen SOS-Button vorgeschlagen. Nutzt das allerdings wirklich etwas, wenn dich jemand mit einem Messer bedroht oder anders Gewalt ausübt?

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