P2P Kredite: China geht gegen Schattenbanken vor

Hohe Profite und unkomplizierte Kredite sind die Versprechen, doch oft stecken Betrüger dahinter. Bald könnten 70% der Plattformen schließen.

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Es klingt so einfach wie einleuchtend. Wer einen Kredit will, kann sich den komplizierten Weg bei den stark regulierten Banken sparen und sucht sich stattdessen über eine Plattform einen Kreditgeber. Dabei spart man sich Zeit, Geld und Nerven.

So zumindest die Theorie, die dazu geführt hat, dass in China ein riesiger, informeller Bankensektor entstanden ist. Dieser bringt jedoch massig Probleme mit sich, allen voran jede Menge Betrüger, weshalb der Staat nun versucht diesen Finanzsumpf auszutrocknen.

1,5 Billionen Yuan in Krediten

Das Kreditgeschäft ist in China förmlich explodiert, denn noch in 2012 war die Idee in China so gut wie neu, nur drei Jahre Später gab es bereits 3.500 Plattformen und Unternehmen die sich darauf spezialisiert hatten.

Kein Wunder, denn die Banken wurden wegen den enorm hohen Verschuldungen mancher Firmen und Privatpersonen immer besser reguliert, zu groß war und ist die Angst vor einer Schuldenkrise.

Dementsprechend schwer und teuer wurde es, ohne hohe Sicherheiten einen Kredit zu bekommen. Ganz anders jedoch bei den neuen Kreditplattformen, die es nahezu jedem erlaubten Kredite aufzunehmen.

Doch auch für Sparer war es extrem attraktiv Ihr Geld über diese Plattformen zu verleihen – den vergleichsweise hohen Zinsen und wenigen Alternativen sei Dank. So entstand innerhalb kürzester Zeit eine riesige Kreditblase mit einem Volumen von bis zu 1,5 Billionen Yuan.

Alles kein Problem? Doch!

Wenn das System so funktioniert, wie es sollte, wäre das an sich unbedenklich, schließlich helfen Kredite der Wirtschaft und den Sparern gleichermaßen. Das Problem ist jedoch, dass der Markt extrem unreguliert ist und es viel zu leicht ist einen Kredit zu bekommen.

Das führt schnell dazu, dass sich Firmen und Privatmenschen überschuldeten und zahlungsunfähig wurden. Passiert das, ist der Sparer sein Geld los und das Vertrauen in die Plattform dahin. Wenn jedoch die Plattform selbst einspringt sorgt das schnell dafür, dass diese selbst in den Ruin getrieben wird.

Ein zweites, und viel größeres, Problem sind jedoch betrügerische Plattformbetreiber. Denn eine Kreditplattform eignet sich perfekt für das Ponzi-Scheme. Das investierte Geld wird dabei gar nicht wieder verliehen sondern nur angesammelt um damit die „Renditen“ der Sparer zu bezahlen.

Das geht solange gut, solange immer mehr „Investoren“ gefunden werden. Sobald das Wachstum jedoch stockt und kein frisches Geld mehr hereinkommt, oder die Betrüger genügend Geld verwalten und sich damit aus dem Staub machen bricht alles zusammen und die gesamten Investierten Beträge sind verloren.

China Proteste Fraud Scam Ponzi
Eigentlich sind Proteste „verboten“, doch gegen die Betrüger mancher P2P Kreditplattformen regte sich sogar in China Widerstand.

Die einzige Möglichkeit diese beiden Risiken zu minimieren ist eine ordentliche Regulierung und Überwachung der Plattformen, wie es in den meisten Ländern auch schon der Fall ist.

China bemüht sich schon seit Jahren darum, den Schattenbanken das Handwerk zu legen und mittlerweile zeigen sich auch die ersten Resultate.

Laut einer Untersuchung der Yingcan Gruppe werden Ende dieses Jahres noch circa 300 Unternehmen in diesem Geschäft übrig bleiben, also nur circa 8,5% der Plattformen von 2015. Dieser Trend wird sich vermutlich auch noch weiter fortsetzen, bis nur noch einige wenige, große und vertrauenswürdige Plattformen übrig bleiben.

Jedoch erhöhen diese Regulationen natürlich auch die Kosten und die Komplexität, weshalb diese Plattformen dann mit den traditionellen Banken um Kunden kämpfen müssen.

Zwei Probleme lassen sich dadurch jedoch nicht lösen. Zum einen werden bis zu einer ausreichenden Regulation noch viele Sparer von Betrügern ausgenommen werden, was zu Protesten der Betroffenen (in China gleichermaßen gefährlich und selten) und sogar Suiziden führt. Zum anderen wird sich nur durch das Bekämpfen dieser Schattenbanken das generelle Problem nicht lösen lassen: Es gibt in China kaum bis keine guten Möglichkeiten, sein Geld zu investieren.

Abgesehen von Aktien und Immobilien gibt es fast keine Möglichkeiten sein Geld anzulegen – und diese beiden Wege sind für den normalen chinesischen Sparer wenig attraktiv. Solange sich das nicht ändert, werden halblegale Investments auch in Zukunft sehr beliebt sein.

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