Chinesische Idiome erklärt: Das „Passt Schon“-Prinzip Chinas, Chabuduo (差不多)

Corner-cutting mit chinesischen Charakteristika.

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Eine nicht schließbare Tür, ein falsch angebrachter Wasserhahn, geerdete Elektronik über eine Kupferschraube, schiefe Küchenmöbel, spärlich geflickte Fußgängerwege, ein T-Shirt mit Rechtschreibfehlern. All diese Dinge sind das Ergebnis von Chabuduo (差不多,  Chàbùduō).

Wortwörtlich könnte diese Lebenseinstellung mit „nicht viel anders“ übersetzt werden. Verwendet wird sie allerdings als „fast„, „ausreichend“ oder „gut genug„. Impliziert wird allerdings, dass die Fehlerhaftigkeit des Ergebnis bewusst ignoriert wird – das absolute Gegenteil von deutscher Sorgfalt.

Einen großartigen Artikel von James Palmer zum Thema Chàbùduō gibt es auf Aeon.com.

Wo lässt sich das Phänomen Chàbùduō finden?

Die Beispiele für Pfuscharbeit und 差不多 sind oft subtil oder so festgefahren, dass sie von den ausführenden Arbeitern gar nicht ernst- oder wahrgenommen werden. Doch wer in den letzten Jahren Produkte aus China bestellt hat, der wird sicher das ein oder andere Resultat dieser Arbeitsweise schon in der Hand gehabt haben.

Ebenfalls ist das „corner-cutting“ in China und die daraus resultierende ineffiziente Arbeitsweise einer der ersten Kulturschocks, die Besucher und Expats in China erfahren. Das bedeutet allerdings nicht, dass dies notwendigerweise als negativ zu interpretieren ist bzw. darauf hinab geblickt werden sollte.

差不多 ist – für sich alleinstehend – oft eine wichtige Lektion, dass nicht alles perfekt sein muss. Das manchmal einfach gemacht werden muss, ohne sich zu beschweren oder das Problem in die Nichtigkeit zu analysieren.

Das bedeutet aber keineswegs, dass diese Sichtweise auf alle Bereiche angewandt werden sollte. Wo Menschen gefährdet werden könnten (z.b. Aufzüge und Rolltreppen), hat eine solche Sichtweise nichts zu suchen, denn in vielen Fällen ist „passt scho'“ notwendigerweise nicht die richtige Herangehensweise.

Das Prinzip Chàbùduō ist auch in Chinas Popkultur vertreten. Der Rapper MC Hot Dog aus Taiwan fasst dies mit dem Song Mr. Chabuduo (差不多先生) zusammen. Darin spricht dieser auf humorvolle Art die Problematik an, dass gut genug in der chinesischen Kultur oft nicht ausreicht und Mittelmaß oft nicht akzeptiert werden kann. Ein Problem, mit dem die meisten in China leben und sich arrangieren müssen.

Wem dieses Prinzip fremd ist, der wird bei dem Versuch geschäftlich in oder mit China zu agieren früher oder später darauf reinfallen. Denn wer zu niedrige Preise verhandelt, der bekommt das 差不多-Resultat mit schlechterer Qualität oder aus dem Liefertermin von „Chàbùduō 3-4 Wochen“ werden schnell zwei Monate und mehr. Die Schuld hier liegt sicher nicht allein bei dem chinesischen Partner oder der Fabrik.

Gier, Faulheit oder bewusst böswilliges Handeln finden in den Chàbùduō-Prinzipien allerdings keinen Platz und sind oft eine Fehlinterpretation für dieses einzigartige und wundervolle Prinzip.

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2 Kommentare
  1. Jano Nym sagt

    Was ist denn auf dem ersten Twitterfoto Schabuduo?

    1. Maxi sagt

      Schau dir das Fahrrad mal genauer an 😛

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